Die Marketingabtielung von Disney hat entschieden, dass der Film „Rapunzel“ besser „Tangled“ heißt, damit man die junge männliche Zielgruppe nicht verliert. Denn kleine Jungs konnten Filmen mit rosa Prinzessinnen fernbleiben, was einfach nicht gut fürs Geschäft wäre.

Nun ist ein Viral zum Film Tangled aufgetaucht, in dem der Spitzendieb des Waldes auf der Suche nach einem geeigneten Versteck im Turm der langhaarigen Prinzessin landet. Und seine Ausdrucksweise ist irgendwie nicht nur Jugendsprech, sondern mindestens so high wie Rapunzels Turmfrisur. Seht selbst:

Und wer den Witz dahinter überhaupt nicht verstanden hat, kennt das referenzierte Meme nicht. Hier das Original vom Yosemitebear Mountain Giant Double Rainbow, wo ein von der Natur oder von Naturprodukten sehr berauschter Typ den doppelten Regenbogen seines Lebens sieht:

Diese Marketing-Jungs… 🙂

Selbst in der hauseigenen Pressemitteilung steht „debattiert aktuellen Stand“. Doch von Diskussion kann keine Rede sein, wenn auf dem Panel jeder Diskutant in ausreichender Zeit seinen Standpunkt erläutert. Und mit Blick auf die Uhr sowohl die Podiums-Diskussion wie auch die Publikumsfragen einfach ausfallen lässt. Um die Frage der Überschrift zu beantworten, wohin die bundesdeutsche Kinodigitalisierung geht: Es hat sich nicht viel getan. In regelmäßigen Abständen sitzen die gleichen Leute an wechselnden Orten mit den bestehenden Meinungen. Größte Veränderung: Bisher war bei der Diskussion um die Digitalisierung immer nach wenigen Minuten ein Schlagabtausch zwischen Arthaus- und Multiplexkino entbrannt. Diese Begriffe vermeidet man nun und spricht, getreu dem aktuellen Vorschlagsmodells des BKM, synonym von Markt- und Kriterienkinos. Ansonsten: alles beim alten. Bedauerlich.

In der Moderation von Christiane von Wahlert, Geschäftsführerin der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), Wiesbaden sollten eigentlich folgende Herren und die Dame in der Diskussion gemeinsam der Lösung der Finanzierung der flächendeckenden Digitalisierung in Deutschland einen Schritt näher kommen:

  • Dr. Christian Bräuer, Vorstand, AG Kino – Gilde / Geschäftsführer, Yorck-Kino-Gruppe, Berlin
  • Peter Dinges, Vorstand, Filmförderungsanstalt (FFA), Berlin
  • Torsten Frehse, Geschäftsführer, Neue Visionen Filmverleih, Berlin
  • Martin Hagemann, Geschäftsführer, zero fiction film, Berlin
  • Johannes Klingsporn, Geschäftsführer, Verband der Filmverleiher / Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken (VGF), Berlin
  • Angelika Krüger-Leißner, Mitglied des Deutschen Bundestages, Filmpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Berlin
  • Dr. Thomas Negele, Vorstandsvorsitzender, HDF Kino, Berlin

Festhalten kann man: auch nach einer dreijährigen intensiven Erörterung unter Beteiligung des Bundes, der Länder und der Filmbranche ist die Finanzierung der Digitalisierung für etwa 1.000 Kinos, darunter viele Arthau-Kinos, noch immer nicht geklärt. Zu den weiterhin offenen Fragen, so offenbarte die Debatte zur Kinodigitalisierung auf dem Medienwochen-Panel am Dienstagnachmittag, gehören die Höhe der VPF (Virtual Print Fee), der technische Standard bei kleineren Kinos sowie die Finanzierung bei den Kinos, die weder einen Zuschuss von den Verleihern, noch einen Vertrag mit einem Finanzinvestor erhalten. 15 Prozent der deutschen Kinoleinwände sind bisher digitalisiert, vor allem in den Multiplexkinos. Weniger als 10 Prozent der Leinwände sind 3D-fähig. International und national nimmt die Zahl digitaler Spielfilme aber stetig zu, zudem erhöht die Digitalisierung die Flexibilität der Kinos und senkt die Verleiherkosten. Deshalb mahnte Martin Hagemann eine schnelle Digitalisierung an, da durch die jahrelange Debatte um Standards und die Finanzierung der Digitalisierung die deutsche Filmwirtschaft viel Zeit verloren habe.

Angelika Krüger-Leißner bedauerte, dass die ursprünglich flächendeckende Branchenlösung, die vor drei Jahren angestrebt worden ist, nicht durchsetzbar ist. Dennoch halte es die Politik für wichtig, dass möglichst alle Kinos als Orte der Kultur, erhalten bleiben und nicht einer digital-getriebenen Marktbereinigung zum Opfer fallen. Deshalb will der Bund mit vier Millionen Euro jährlich vor allem die kleineren Kinos fördern, um eine Kino-Grundversorgung auch in ländlichen Gebieten zu garantieren. das Problem: der Betrag ist gesperrt. Und wie bekannt, verfallen nicht abgerufene Beträge, da sie anscheinend nicht dringend benötigt werden- zumal in Zeiten gigantischer Haushaltslöcher. Jetzt haben wir September- Krüger-Leißner forderte den Haushaltsausschuss des Bundestages auf, diese Mittel für 2010 freizugeben, auch wenn sich noch nicht alle Länder an der Finanzierung beteiligen, damit noch 2010 die Umrüstung in großem Umfang beginnen kann.

medienwoche@IFA 2010: Podium © Medienboard Berlin-Brandenburg/Ulf Büschleb

medienwoche@IFA 2010: Podium © Medienboard Berlin-Brandenburg/Ulf Büschleb

Die FFA stellt 15 Mio. Euro für die Digitalisierung von Kinos zur Verfügung, die mindestens einen Umsatz von 40.000 Euro oder 8.000 Besucher pro Jahr erreichen, informierte Peter Dinges. Das seien insgesamt 1.500 Kinos. Damit könnten beim einem Investitionsaufwand von 72.000 Euro maximal 48.000 durch Steuermittel des Bundes und der Länder und Branchenmittel der FFA gedeckt werden.  Woher die restliche Finanzierung von ca. 24.000 Euro bei den Kinos kommen soll, wird nicht beantwortet.

Die Filmverleiher, vertreten durch Johannes Klingsporn, sagen eine Beteiligung mit einem Gesamtvolumen von ca. 20 Mio. Euro zu. Das große Aber: kein Kino werde den gleichen Betrag erhalten und nicht jedes Kino werde auf einen Verleiherzuschuss hoffen können, da das ursprüngliche Modell einer pauschalen Unterstützung aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden kann. Die finanzielle Beteiligung erfolge in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Leitungsfähigkeit der Kinos.

Für Dr. Thomas Negele, Torsten Frehse und Dr. Christian Bräuer bietet das jetzige Finanzierungsmodell keine Garantie, dass alle Kinos den Übergang in das digitale Zeitalter überleben werden. Als tragisch für die Zukunft der Arthaus-Kinos bezeichnete Dr. Christian Bräuer, den gegenwärtigen Stand der Diskussion. Kaum ein kleineres Kino wäre in der Lage, die Finanzierungslücke zu den öffentlichen Mitteln aus eigener Kraft zu schließen. Vor allem pocht die AG Kino weiterhin auf eine Lockerung des DCI-Standards von 2K auf eine kleinere Auflösung von 1,3K, da viele kleinere Kinos keinen Nutzen und nur höhere Kosten von der 2K-Projektion verursacht sehen. Wie allerdings der Firmenstandard von 2K dann wieder runtergerechnet oder komprimiert auf der Leinwand aussieht,  möchte ich mir gar nicht ausmalen. 2K ist ein Mindeststandard, die Anzahl der 4K-Projektoren nehmen zu. Ein paar Hallen weiter präsentiert Panasonic bereits riesige 152″-3DTV-Geräte mit einer Auflösung in 4K. Und die Investition in die Zukunft der Arthaus-Kinos soll auf dem Stand aus dem Jahr 2000 durchgeführt werden? Mir absolut unverständlich.

Torsten Frehse verwies auf die überdurchschnittliche Belastung kleinerer Kinos und unabhängiger Verleihfirmen bei einer Beteiligung durch Finanzinvestoren. Dadurch bestünde die Gefahr, dass unabhängige Verleiher, die vor allem deutsche Filme vermarkten, diese Kosten nicht aufbringen können und vom Markt verschwinden werden. Außerdem wehrt er sich gegen den „aufoktroyierten DCI-Standard des US-Filmkartells“. Wenn ich mir die Diskussion der letzten drei Jahre betrachte, frage ich mich, ob wir jemals einen einigermaßen gültigen deutschen Standard hätten etablieren können, dem scheint nicht so.

Die Mehrzahl der Kinos, so Dr. Thomas Negele, benötige eine finanzielle Unterstützung bei der Digitalisierung. Eine Finanzierung durch Finanzinvestoren bedeute für die Kinos eine höhere finanzielle Belastung von 25-30 Prozent. Zudem besteht bei ca. 1.000 Kinos die Gefahr, dass sie weder eine finanzielle Hilfe durch die Verleiher noch einen Finanzierungsvertrag mit den Third Parties erhalten. Für diese Kinos müsse eine höhere Förderung durch öffentliche Mittel erfolgen.

Alles bekannte Statements der Vertreter getreu ihres Verbandes. Während nebenan die Zukunft der Unterhaltungsindustrie wegweisende Neuerungen vorstellt, scheint die Innovationsbereitschaft auf dem Podium noch im Jahre 2007 verhaftet. Wenn nicht alle Verbandsvertreter das keine Stückchen mehr über ihren Schatten springen, werden wir weiter zusehen, wie nach Frankreich auch weitere Länder ohne Mühe an unserem Status vorbeiziehen. Statt aus der Pleite beim 100er-Modell gelernt zu haben, zockt und pokert man weiter. In Berlin eröffnet demnächst der Boulevard der Stars am Potsdamer Platz. An selber Stelle habe ich 2007 mal einen Walk of Fame der Kinos vorgeschlagen. Sollten sich nicht ALLE Verbände aus der Einsicht der Notwendigkeit der flächendeckenden Digitalisierung bewegen, wird sich wohl bald ein Friedhof der kleinen und der Programm-Kinos empfehlen. Und das hat dann vermutlich niemand kommen sehen…

Wer bei der Kombination der Schlagwörter Berlin und Arabien an Kreuzberg denkt, wird sich schon bald ein besseres Bild machen können. Mit dem Dokumentarfilm ARABIA 3D von Produzent und Regisseur Greg MacGillivray taucht der Zuschauer tief in die Mystik Arabiens ein. Die 3D-IMAX-Dokumentation startet exklusiv am 30. September 2010 in Deutschland im CineStar IMAX 3D Sony Center.

Arabien ist ein Land, das wenige Außenstehende je besichtigen werden, eine Welt voller Mythen und Mysterien. Jetzt endlich werden die Kinobesucher auf der ganzen Welt die Möglichkeit haben, sich auf eine intime, visuell eindrückliche, dreidimensionale Reise in das Herz der geschichtsträchtigen arabischen Halbinsel begeben – um dort Sanddünen mit Kamelkarawanen zu überqueren, zu den Riffen des Roten Meeres, das voller Schiffswracks ist, hinab zu tauchen, die gewaltigen Gräber einer faszinierenden verlorenen Stadt auszugraben, Zeuge zu werden bei der bewegenden spirituellen Pilgerfahrt, der Hadsch, und vor allem die Araber zu treffen, die heute versuchen, in den sich gegenwärtig abspielenden historischen Veränderungen neue Möglichkeiten zu entdecken.

Dies alles, die Mystik einer verborgenen Kultur, die Legenden einer sagenumwobenen Geschichte und die Vielfalt einer modernen Gesellschaft mit ihren atemberaubenden Veränderungen – kommen in MacGillivray Freemans neuem IMAX-Film zusammen: ARABIA 3D, er ab 30. September 2010 auf der riesigen Leinwand im CineStar IMAX am Potsdamer Platz in Berlin zu sehen sein wird. Gedreht über zwei Jahre an mehr als 20 Drehorten in Saudi-Arabien ist ARABIA 3D die erste große Filmproduktion, die vollständig in Saudi-Arabien gefilmt wurde. Indem er zeitgenössische Szenen des Alltaglebens im heutigen Saudi-Arabien mit nachgespielten oder computergenerierten Szenen der Vergangenheit und 3D-Spezialeffekten verknüpft, untersucht der Film die Wurzeln einer Kultur, die auch heute noch von einer tiefgründigen Komplexität und Bedeutung ist.

Der oscarnominierte Produzent und Regisseur Greg MacGillivray berichtet von seiner bisher exotischsten und anspruchsvollsten Reise: „Ich hoffe, dass den Leuten dieses frische Porträt einer Kultur, die auf engen Familienbindungen, der Liebe an der Bildung und dem tiefen Glauben beruht – und eines Volkes, das dafür kämpft, die Balance zwischen der Treue zu ihren traditionellen Werten und der Suche nach einem Weg im modernen Leben, zu finden, gefällt. Es ist eine Reise voller Überraschungen, und der vielleicht überraschendste Teil besteht darin, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben.“

Arabia 3D wird produziert und vertrieben von MacGillivray Freeman Films und wird in Zusammenarbeit mit der Royal Geographical Society (mit IBG), dem Oxford Centre für Islamische Studien und dem King Faisal Center for Research and Islamic Studies präsentiert. Die englische Sprecherin der Dokumentation Helen Mirren wird mit der deutschen Synchronstimme von Karin Buchholz ersetzt, die ja Helen Mirren auch sonst synchronisiert.

Und wer noch nie im IMAX war: Das CineStar IMAX 3D Sony Center in Berlin ist eines der modernsten 3D-Kinos der Welt. Vor allem die 588 Quadratmeter große Riesenleinwand beeindruckt, sie ist eine der weltweit größten ihrer Art. Ihre Größe von 28 x 21m (Breite x Höhe) entspricht der Größe von sechs aufeinander gestellten Elefanten und in seiner Breite einem Blauwal in Originalgröße! Größeres Kino gibt es kaum. Passend zum großen Bild gibt es einen satten Ton aus der 25.000 Watt Soundanlage. Die Plätze im CineStar IMAX 3D sind in angenehm ansteigenden Reihen angeordnet und bieten von jedem Platz eine perfekte Sicht auf die Leinwand. Natürlich ist das IMAX barrierenfrei zugänglich, verfügt über eine behindertengerechte Infrastruktur und vier Rollstuhlfahrersitzplätze. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des IMAX 3D Sony Center.

Dann heißt ab dem 30. September 2010 Aufbruch zur Reise in ein unbekanntes Arabien. Natürlich in 3D.

Bilder © MacGillivray Freeman Films · Alle Rechte vorbehalten.

Pixars „Toy Story 3“ sammelt weitere Rekorde. Nachdem der 3D-Animationsfilm bereits den Titel erfolgreichster Pixar-Film und erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten für sich beanspruchen konnte, ist nun eine weitere Hürde geknackt: die All-Time-Top 5 der weltweiten Kinocharts. Am letzten Wochenende konnte Lee Unkrichs Fortsetzung der Spielzeug-Saga weltweit weitere runde 10 Mio. Dollar einspielen und erreicht so einen gesamten Boxoffice-Beitrag von 1,03 Mrd. Dollar.

Damit haben Woody, Buzz und Co. Tim Burtons „Alice im Wunderland“ von Platz 5 der Alltime-Top5 verdrängt, nachdem die Spielzeuge schon Christopher Nolans „The Dark Knight“ auf die hinteren Ränge verwiesen. Nächstes Ziel: die fehlenden rund 36 Mio. Dollar Abstand zu „Fluch der Karibik 2“ aufholen. Wer ist eigentlich dieser Jack Sparrow?

Bild © Disney/Pixar · Alle Rechte vorbehalten.

Ich törichter Narr. Ich hätte es wissen müssen. Die Zeichen haben es klar prognostiziert. Und doch glaubte ich, dass die Branchenveranstaltung begleitend zur größten Consumer-Elektronikmesse die innovativen Ideen einer digitalen Zukunft prognostiziert und debattiert. Doch am ersten Tag der medienwoche@IFA kommt mehr das Gefühl einer Vereinssitzung mit Schlagabtausch statt eines richtungsweisenden ThinkTanks auf.

Übrigens:Blogger gibt es hier offiziell nicht. Man euphemisiert sie zu Media-Journalisten, vermutlich damit sie nicht gleich gelyncht werden. Natürlich gibt es auf der Medienwoche auch keinen Medienausweis, sondern ausschließlich einen Presseausweis.

Die Eröffnungsdebatte der Medienwoche folgt der von der BBC angestoßenen Debatte um die Rolle des Senders und seine Inhalte. Die per Video zugeschaltete COO Caroline Thomson lieferte den kreativen Impuls mit sehr vielen richtigen Inhalten: „Less is more“. Der BBC muss nicht in allen Bereichen alle Formate von Information und Unterhaltung abdecken. Sondern es geht um die Qualität des Programms, das weltweit als Maßstab für einen Sender angesehen wird. Man will die Kosten eindämmen, und das gesparte Geld in die Qualität neuer Formate investieren. Dafür spart die BBC bei Spitzenmanagern, Gehälter und Bonuszahlungen werden über die nächsten Jahre eingefroren. Auch will man die Führungsstruktur der Sendeanstalt vereinfachen. Ein guter und richtiger Impuls auch für unsere Sendeanstalten, den es zu diskutieren galt.

Abweichend vom Motto „Less is More“ wurde bereits in Grußworten und Keynotes mehr „Alle gegen Jeden“ praktiziert: das Qualitätsfernsehen der Öffentlich-Rechtlichen gegen die hedonistischen „Seichtgebiete“ des Privatfernsehens. Die Rundfunkanstalten gemeinsam gegen die großen Printverlage. Alle gemeinsam gegen das Internet, denn da gibt es ja nur Bauchladenverkäufer, Informationskommunisten und peinliche Youtubevideo-Anbieter. Außer Apple, weil iPod, iPhone und iPad findet Springer schick und möchte die Dankgebete an Steve Jobs zur Bewahrung eines Internet-Bezahlmodells im Tag verankert wissen.

Wenn altehrwürdige Vertreterinnen von Gesetz und Aufsichtsrat die anwesenden Journalisten als tragende vierte Säule der Demokratie durch ihre Aufklärung hofieren, muss man sich natürlich abgrenzen. Fingerpointing: Blogs und Social Networks sind es nicht. So.

Jeder guckt noch mal schnell in sein Wes-Brot-ich-ess-dess-Lied-ich-sing-Briefing, lässt gekonnt zwei, drei aktuelle Buzzwords, Entschuldigung, unerlässliche Kern-Punkte der Diskussion fallen. Ich schreib es mal in Versalien, damit es nicht überlesen wird, inhaltlich wurde nichts neues beigetragen: DREISTUFENTEST. BEZAHLCONTENT. REGULIERUNG. INTERNET BÖSE. DIGITAL AUCH (außer iPad).

Wenn Skype-Videochats noch für große Begeisterung beim Moderator und dem Publikum sorgen, merkt man, dass die Kluft zwischen den Technikinnovationen in den Messehallen der IFA und der medienwoche im ICC doch größer ist, als erwartet. Und auch hier lässt man seinen Unmut am Medium Internet aus: klappt der Skype-Videochat nicht wie erwartet, ist das Internet schuld, das ist ja noch nicht so weit, und nicht der etwas hilflos auf den Menus des Programms rumklickende Eingabemensch.

Bleibt sich eine gepflegte Diskussionskultur und konkrete Stellungnahmen? Leider gefehlt. Im Ernst: wenn ein Online-Redakteur von Stern.de als Eingangsfrage an einen Autoren (der angibt, täglich 4 Stunden im Internet zu sein) formuliert, ob er denn überhaupt ARD und ZDF kenne, wäre die einzig richtige Reaktion aufzustehen und zu gehen. Das gilt sowohl für den Diskutanten wie das anwesende Publikum. Stattdessen muss man ein Podium ertragen, wo Vertreter des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien VPRT über die Wichtigkeit und ihre Liebe zur ARD säuseln, dass man das Gefühl bekommt, RTL versucht seit Jahren auch so ein schönes Programm wie die ARD zu produzieren, aber es gelingt einfach nicht.

Um wirkliche Inhalte geht es in der Diskusion less, more um die Verteilung alter Pfründe in der aktuellen Zeit. Und doch, man ist sich einig, man will in Zukunft weniger Inhalte anbieten, dafür aber mit höheren Kosten, oder aber neu zu etablierenden Bezahlmodellen. Das Ganze legitimiert sich durch eine Steigerung der Qualität, dem Zuckerbrot an die Konsumenten. Die Phantasie aller Beteiligten reicht leider nur für 2/3 der Thematik, man ist sich einig, dass man zukünftig weniger Inhalte für besseres Geld anbieten möchte. Nur bei der Rückfrage nach der gesteigerten Qualität weicht die Überzeugung einer Ratlosigkeit. Da müsse man dann erst entwickeln.

Fazit: Alles wie gehabt. Man redet nicht über Inhalte, sondern aus Standpunkten heraus. Die propagierten Leuchttürme des zukunftsweisenden Qualitätjournalismus werden sich zukünftig beweisen müssen, mir blieben sie auf der medienwoche bisher verborgen.

Ich hätte es wissen müssen. Wie wenig sich die medienwoche@IFA mit DIGITAL auskennt, stand doch schon auf meinem PRESSE-Ausweis. Digiale Leinwand.de. Tse, tse…

Das Thema an sich ist nicht neu, doch hat bisher niemand Konsequenzen gezogen. Immersive Inhalte wirken durch ihre Nähe und Vereinnahmung spannender und aufregender als die 2D-Fassungen, darum sehe ich mir das Ganze ja an! Doch wie wirkt ein furchterregender feuerspeiender Drache, der nicht nur das Lamm frisst, sondern geradewegs brüllend aus der Leinwand auf mich zu rast. Für mich kein Problem, aber wie steht es mit den Kindern? Brauchen 3D-Filme eine gesonderte Kontrolle durch die FSK und abhängig von den immersiven Inhalten eine höhere Altersfreigabe?

Laut Variety wurde nun die 3D-Tieragenten-Komödie Cats & Dogs- Die Rache der Kitty Kahlohr in Schweden mit zwei Altersfreigaben veröffentlicht. Die plane 2D-Fassung hast keine Altersbeschränkung, die 3D-Fassung dürfen Kinder unter sieben Jahren nur in Begleitung Erwachsener sehen. Anki Dahlin, CEO der schwedischen Altersfreigabebehörde, hat zwei Teams eingesetzt, um die 2D und die 3D-Fassung zu prüfen. Mit der klaren Erkenntnis: „Diejenigen, die die 2D-Version gesehen haben, haben manche Effekte als nicht so stark empfunden wie diejenigen, die die 3D-Version gesehen haben. “

Natürlich reagiert die Filmindustrie mit Kontra, schließlich würde eine solche Einschränkung das potentielle Publikum der CashCow einschränken. Eric Broberg, Senior VP und General Manager von Disney in Skandinavien dazu: „Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, dass 3D gefährlicher sein soll. Es habe bis jetzt noch keine Kinos gegeben, die voll waren mit weinenden Kindern.“

Gefährlicher ist sicher das falsche Wort. Einen wissenschaftliche Untersuchung zum Thema 3D-FSK wurde im Rahmen des PRIME-Projektes an der HFF in Potsdam durchgeführt. Mit dem klaren Ergebnis, dass 3D-Inhalte für die Kinder aufregender sind. Voll mit weinenden Kindern waren die Kinos nicht, aber doch kommt es bei meinen Kinobesuchen immer wieder vor. Die Frage: hätte das Kind auch bei der 2D-Fassung geheult? Abgesehen davon, dass ich mein Kind unter 7 Jahren eh nicht allein ins Kino lassen würde, wundere ich mich vor allem, dass man mit einer 3D-FSK bei Cats & Dogs 2 anfängt und nicht beispielsweise bei „Drachenzähmen leicht gemacht“. Da mussten ein paar Kinder heulend aus dem Kino getragen werden…

Was denkt ihr? Brauchen 3D-Filme eine gesonderte Betrachtung in der FSK? Stimmt mit ab:

Bild © Warner Bros. · Alle Rechte vorbehalten.

Derzeit platzt Berlin und das Messegelände am ICC aus allen Nähten. Die 50. Internationale Funkausstellung IFA ist die größte Consumer-Elektronikmesse, die die Welt und die Stadt je gesehen haben. Noch nie waren so viele AUssteller zu GAst auf der IFA um ihre neuen Produkte und Prototypen zu präsentieren. Eine auch für den Endverbraucher offene Messe für alle,  die Unterhaltungselektronik, Informations- sowie Kommunikationstechnik und Hausgeräte nicht nur nutzen, sondern auch erleben wollen. Der für die IFA so typische Mix aus Innovationen, Stars, Entertainment und Information fasziniert das Publikum jedes Jahr aufs Neue- dieses Jahr zum 50. mal. Und mit einem klar dominierenden Thema: 3D, 3D, 3D. Auf 3DTVs, stereoskopischen Kameras oder lentikularbestückten brillenfreien Bilderrahmen. An 3D kommt in diesem Jahr auf der IFA niemand vorbei.

Auf mittlerweile zwei Tage zusammengeschrumpft ist mittlerweile die medienwoche@IFA. Mehr als 150 nationale und internationale Referenten werden zu den über 50 Keynotes und Podien des Internationalen Medienkongresses im ICC am Montag (06.09.) und Dienstag (07.09.) erwartet. Unter ihnen Sky Deutschland-Chef Brian Sullivan, BBC-COO Caroline Thomson und Google-Chef Dr. Eric Schmidt (Live-Übertragung der IFA International Keynote vom Messegelände ins ICC). Auf der Agenda stehen übliche Themen, die aber stets aktuell zu diskutieren sind: Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Entwicklungen im internationalen Medienmarkt, Herausforderungen für eine zukunftsorientierte Medienpolitik, Screenings neuer Inhalte und Geschäftsmodelle von Mobile und 3D-Content bis hin zu 360°-Formaten.

Heute stehen folgende Inhalte auf dem Kongressprogramm:
Montag, 06.09.10, ICC Berlin

10.30 Eröffnung des Medienkongresses: Less is more? Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
14.00 Medienpolitik: Internet und digitale Gesellschaft: Die Enquete-Kommission.
14.00 Medienmarkt: Markenbildung online
14.00 medienpolitik@IFA: Terrestrisches Fernsehen – ein Auslaufmodell?
14.00 Screenings & Präsentationen: Neues Fernsehen
16.00 Medienpolitik: Leistungsschutzrecht oder Informationsfreiheit
16.00 Content is king – Technology is queen!? Was treibt die Medienentwicklung?
16.30 Screenings & Präsentationen: Neuer Content: 3D

Natürlich interessiert mich besonders der letzte Block des heutigen Tages. Neuer Content in 3D. Passend zur IFA hat man den 3DTV, die Digitalisierung des Kinos und des Fernsehens im Blick. Während ein paar größere Produktionen aufgrund von fehlender adäquater Präsentationstechnik  aus dem Programm gewichen sind, gibt es nun fünf Beiträge aus den Bereichen 3D-Gruselfilm, 3D-Kurzfilm, 3D-Konzertfilm, 3DTV und 3DGaming. Besonders freue ich mich auf die Produktion der MovieBrats, die heute erstmals einen 4minütigen Ausschnitt aus ihrem 3D-Kurzfilm „WaterSoul“ präsentieren. Das Programm aus dem Bereich 3D-Content:

Strangel – The Angel of the Odd: Stereoskopischer Expressionismus
Daniel von Braun, CEO, und Georg-Sebastian Dreßler, Produktion Supervisor, morro images, Potsdam

Mystery aus der Tiefe des Raums: Water Soul 3D
Esther Friedrich, Produzentin und Produktionsleiterin, und Alex Weimer, Produzent, MovieBrats Filmproduktion, Berlin

Performing Arts in 3D: Lang Lang at Berghain
H.W. Pausch, co-Geschäftsführer, Context TV, Berlin

High Definition 3D TV – von Sport bis Kultur
Stephan Heimbecher, Head of Innovations & Standards (Technology), Sky Deutschland, München

NVIDIA 3D Vision: PC Gaming und Multimedia mittendrin statt nur davor
Thomas Mertens, Director Central Europe, NVIDIA, Würselen

Noch bis zum 8. September 2010 findet die IFA zum 50. Mal statt. Das Messegelände wird für die Besucher täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die medienwoche@IFA wird veranstaltet von Medienboard Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit der gfu im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg und gefördert von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb). Tickets für die medienwoche@IFA gibt es hier. Weitere Details auf der offiziellen Webseite der IFA und der medienwoche@IFA.

Letzte Woche gab es noch Gerangel zwischen dem Film mit den meisten Besuchern und dem Film mit dem meisten Umsatz, dank 3D-Zuschlag. In dieser Woche schafft es Step Up 3D aus dem Verleih Constantin in beiden Kategorien an die Spitze der deutschen Kinoscharts, wenn nach Besuchern auch nur knapp. Von den gesamten 1,3 Mio. verkauften Tickets lösten rund 165.000 Besucher ein Ticket für den 3D-Tanzfilm, der damit einen Umsatz von 1,7 Mio. Euro erreichte. Der zweitplatzierte „Duell der Magier“ von Produzent Jerry Bruckheimer“ erreichte ebenfalls knappe 165.000 Zuschauer mit einem Einspiel von 1,2 Mio. Euro.

Als Special Edition startete die um 9 Minuten erweitere Fassung von AVATAR- Aufbruch nach Pandora erneut in den Kinos- diesmal ausschließlich als 3D-Fassung. Mit dem Re-Release erreichte James Camerons Blockbuster gut 75.000 Zuschauer auf 274 Leinwänden- Platz 6 der Kinocharts in dieser Woche. Wir Pandora-Freunde sind uns einig: diese AVATAR-Fassung ist die bisher beste, die jemals im Kino gezeigt wurde. Zumindest bisher… 😉

Bild © 20th Century Fox · Alle Rechte vorbehalten.

Wie berichtet hat der chinesische Starpianist Lang Lang seine 3D-Konzertaufnahmen als Weltpremiere im Cinestar in Berlin vorgestellt. Vor ausverkauftem Haus präsentierte Lang Lang dem Publikum und dem Sony Corporation Board seine im Berliner Club Berghain in stereoskopischem 3D aufgenommenen Stücke. Dabei intonierte er Stücke aus dem Wiener Konzert von Beethoven, Prokofjew, Albeniz und Chopin. Die in nativem 3D gefiltem Aufnahmen zeigen den Musiker an seinem Instrument aus verschiedenen Blickwinkeln, mit einem Live-Gefühl, aber durch die immersive Technik noch deutlich näher dran am Geschehen, als es dem normalen Publikum sonst möglich ist.

Starpianist Lang Lang auf der Weltpremiere seines 3D-Konzertfilms "The Third Dimension" | Foto © Gerold Marks

Lang Lang steht als Sony Botschafter natürlich sehr im Rampenlicht. Und passend zur 3D-Strategie von Sony haben sie einen jungen technikaffinen Star, der von 3D als Möglichkeit begeistert ist. Lang Lang kommentiert sein 3D-Debüt: „Ich finde es sehr aufregend, in vorderster Linie daran mitzuwirken, dass 3D seinen Weg in die Wohnzimmer der Menschen überall auf der Welt findet. Diese neue Technologie eröffnet allen Musikfreunden eine völlig neue Dimension. Durch die 3D-Aufzeichnung wird das Musikerlebnis noch viel intensiver und mitreißender. Ich bin sehr froh, dass ich mit Sony einen starken Partner an meiner Seite habe, der meine Vision teilt.“

Wer bei der Weltpremiere von Lang Langs Film „The Third Dimension“ nicht dabei sein konnte, kann das 3D-Konzert „The Third Dimension“ auf 3D-Blu-ray sehen. Das Konzert wird als Zusatztmaterial auf der Blu-ray „Lang Lang – Live in Vienna“ enthalten sein, die am 17. September erscheint.

Natürlich war ich bei der Weltpremiere von Lang Langs 3D-Konzertfilm persönlich anwesend. „The Third Dimension“ überzeugt absolut. Es ist eine Freude, Lang Lang beim Spielen zu beobachten, ungewöhnliche Blickwinkel auf ihn und sein Instrument einzunehmen. Hautnah dabei zu sein, wenn seine Finger über die Tasten fliegen. Die Gestaltung der Aufnahmen ist auf die jeweiligen Musikstücke abgestimmt und folgen einer Bild-Dramaturgie, die Abwechslung bietet, deutlich mehr als „Mann am Klavier“. Die Bildqualität der Aufnahmen ist sehr gut, leider säuft schwarzer Flügel in neutral schwarzem Raum (sprich Tanzfläche Berghain) farblich etwas ab, was aber an der dunkel eingestellten Projektion im CineStar OV Saal 3 (wir kennen uns…) liegt. Das 3D-Konzert begeistert. Und liegt in der Bildqualität deutlich über dem anschließendend per Beamer projizierten Blu-ray-Konzertausschnitt aus Wien, der auf der großen Leinwand arg mit Halbbildern zu kämpfen hatte.

Die eigentlich Sensation ist aber das Kinoerlebnis drumherum. Menschen zwischen 30 und 65 sitzen im vollständig ausverkauften Kino-Saal. Statt Cola gibt es gepflegten Rotwein, man hat im Kino eine kleine Bar errichtet, vor dem Saal kann man an der Garderobe seine Jacken abgeben. Man merkt, dass es sich um einen Klassik-Künstler handelt. Und doch verliert das Arthaus- und Bildungsbürger-Publikum die Angst vorm Multiplex, wie die regelmäßigen Opern-Live-Übertragungen zusätzlich beweisen. Ein spannendes Bild, wenn in einem 3D-Kino Damen und Herren in Abendgarderobe, Anzug und Kleid sitzen. Und alle haben eine 3D-Brille auf der Nase, egal wie alt oder wie jung. Die Stimmung ist brillant, zwischen den einzelnen Stücken wird wie im Konzertsaal auch applaudiert und gejubelt, wenn der Meister durch sein Können besonders beeindruckte. Ein kurzes Stimmungsbild bei älteren Besucherinnen, die noch nie im 3D-Kino waren, spiegelt die absolute Begeisterung wieder: so etwas Tolles haben sie im Kino noch nie erlebt! Von wegen 3D-Kino bietet keine Attraktionen für Silver Ager.

Womit wir mal wieder bei der beliebten Diskussion Arthaus versus Multiplex sind, die unter dem Deckmantel analoges gegen digitales Kino ausgetragen wird. Das Argument der Arthaus-Kinos lautet weiterhin: Die Umrüstung auf Digitales Kino ist zu teuer. Und schließlich gibt es keine 3D-Arthaus-Inhalte. Die Zeiten ändern sich. Natürlich ist die Finanzierung der Digitalisierung für finanzschwache Kunstkinos weiterhin ein Problem, bei dem die Verbände weiter rummähren, ohne dass schnelle Lösungen für die gesamte Branche schon morgen umsetzbar wären.

Doch nun stehen die 3D-Arthaus-Inhalte vor der Tür, 3D-Konzert mit Lang Lang, im nächsten Jahr Wim Wenders‘ 3D-Tanzfilm PINA über das Werk der verstorbenen Choreografin Pina Pausch, Werner Herzogs 3D-Höhlenmalerei-Dokumentation feiert in Toronto Premiere, Scorsese und Soderbergh drehen gerade 3D-Produktionen. Wenn die Arthaus-Kinos nicht über ihre Zukunft nachdenken und sich vorwärtsgerichtet positionieren, werden sicher einige Häuser schließen müssen.

In der Diskussion um PINA hatte ich im letzten Jahr das Problem noch als Frage formuliert: Werden eher Arthaus-Kinos in digitale und 3D-Technik investieren oder das Arthaus-Publikum ins Multiplex-Kino gehen, um sich den 3D-Arthaus-Film anzusehen? So wie die Zeichen der Zeit derzeit stehen, liegt die Antwort auf der Hand. Das klassische Arthaus-Publikum hat keine Scheu mehr vor großen Kinokomplexen und auch nicht vor der 3D-Brille auf der Nase. Und gönnt sich einen hochpreisigen Abend in 3D im Multiplex. Arthaus-Kinos, ihr verliert derzeit euer Publikum…

Bild © Gerold Marks, Blu-ray Cover © Sony · Alle Rechte vorbehalten.

Wer hatte auch Strebermädels in der Schulklasse, die ihre Schönschrift noch perfekter mit TippEx gestalteten? Kaum verschrieben, schon wurde das kleine Fläschchen geschüttelt und der leicht benebelnde Weisslack auf den Schreibfehler aufgetragen. Und irgendwie wirkt TippEx nicht mehr heutig, im Digitalen gar als Relikt aus vergangener Zeit. Zeit für Veränderung! Am Image hat die französische Firma Buzzman zusammen mit Elegangz TV, Paris gearbeitet und liefert eine interaktive Youtube-Experience für TippEx- die „TippExperience“.

Einstieg ist ein virales Filmchen mit dem Titel „A Hunter shoots a Bear“, was ich mir aufgrund des Titels aus Tierquäler-Video erst gar nicht ansehen wollte. Ein Camper wird von einem Bär angegriffen, sein Kumpel aus dem Off rät ihm den Bär zu erschießen. Nun kommt der Clou:
Der Camper durchbricht den Filmrahmen,  greift zur neben dem Video stehenden Werbeanzeige und dort platzierten TippEx-Pocketmaus und ändert schließlich die Geschichte. Kurzentschlossen ext er SHOOTS aus dem Titel des Youtube-Videos aus und hinterlässt stattdessen ein leeres Eingabe-Textfeld.

Nun ist Spaß garantiert, denn der Zuschauer darf bestimmen, wie die Geschichte zwischen Bär und Jäger weitergeht. Einfach ein englisches Verb für eine Beschäftigung eintragen, schon gibt es die kleine Episode mit dem ungleichen Paar zu sehen. Keine neue Idee, solche interaktiven Befehlsvideos gab es schon vor 10 Jahren in Zeiten von Web 1.0. Doch die TippExperience macht Spaß, da die Macher wissen, welche Begriffe User mit Vorliebe in solchen Situationen eingeben- Alltagsbeschäftigungen, Hedonistisches und Nicht-Jugendfreies. Für all diese Tätigkeiten haben der Jäger und der Bär ein kleines, wirklich charmantes Filmchen vorbereitet, dass der Besucher als Belohnung für seine Interaktion erhält. Sollte etwas Unverständliches eingegeben worden sein, gibt der Bär eine persönliche Fehlermeldung aus. In der referenzierenden Datenbank sind auch manche Keywords zum gleichen Filmchen verknüpft, um inhaltliche Synonyme zu erfassen und möglichst viel Aktion zu zeigen.

Dass sich der Bären-Spaß gerade viral verbreitet wie ein Honigbrot bei Bienen, dürfte klar sein. Nachteil der Kampagne: es kommt leicht zu einem Vampireffekt, da die Unterhaltung klar der Produktinformation vorsteht. Und viele schnell vergessen, für welches Produkt dort eigentlich geworben wird.

Probiert es selber aus. A Hunter shoots a Bear! findet ihr als Videokanal unter der Adresse http://www.youtube.com/user/tippexperience

Die Unterhaltung für den Samstag Nachmittag ist gerettet! Probiert auch mal die Begriffe cooks, hip-hop, kiss und tipp-ex aus.  🙂